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Published 12. Januar 2022

Wenn Porsche Technik aus dem Rennsport direkt in die Serie überträgt, ist das Ergebnis eindrucksvoll. Wie beim 911 GT3 RS 4.0, der schon vor Start der Kleinserie ausverkauft ist.

Als Porsche beim 911 vor anderthalb Jahrzehnten den luftgekühlten Motor in Rente schickte, folgte unweigerlich der Aufschrei der Puristen. Um die Akzeptanz des neuen Modells zu steigern, ließen sich die Ingenieure etwas Besonderes einfallen: Den GT3, ein puristisches Spitzenmodell mit zunächst 360 PS, das direkt dem Rennbetrieb entsprungen zu sein schien – und dessen Schwerpunkt noch mehr als beim Turbo auf querdynamischen Qualitäten lag.

Skeptiker mögen mit ein paar tausend verkauften Einheiten gerechnet haben, tatsächlich rollen jedoch mittlerweile rund 15.000 GT3 verschiedener Evolutionsstufen auf den Straßen. Unter Kennern gilt er als der „echte Elfer“, und er genießt die besondere Aufmerksamkeit der Porsche-Renningenieure, dient der GT3 doch als Basis für den Rennsport.

Zum Abschluss der 997er-Baureihe – ein vollständig neuer Elfer, der intern als 991 läuft, wird für die Frankfurter IAA erwartet – haben die Weissacher Ingenieure noch einmal eine Edition hingelegt, die Puristen das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Die sperrige Modellbezeichnung 911 GT3 RS 4.0 deutet darauf hin: Unter der Motorhaube aus Kohlefaser-Verbundstoff arbeitet nicht mehr der bewährte 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer, sondern eine Version mit glatten vier Litern Hubraum – wie in den Rennsport-Ausführungen R und RSR.

Porsche hat den Motor nicht etwa aufgebohrt – das wäre aufgrund der ausgereizten Wandstärken auch kaum noch möglich gewesen -, sondern den Hub über eine Kurbelwelle erhöht, die ohne Änderungen aus dem Rennsport übernommen wurde. Der 4.0 verfügt über Titanpleuel, einen neuentwickelten Ausaugtrakt mit kürzeren Saugwegen, einen aus Kohlefaser gefertigten Luftfilter, der um zehn Prozent besser durchströmt wird sowie einen Katalysator mit weniger Gegendruck.

Das Ergebnis: Insgesamt 368 kW/500 PS – 50 mehr als beim keineswegs anspruchslos konstruierten GT3 RS mit 3,8-Liter-Motor. Das maximale Drehmoment steigt von 430 auf 460 Nm; die Leistungscharakteristik ist drehzahlbetont. „Ein solcher Motor muss oben heraus explodieren“, beschreibt Andreas Preuninger, Projektleiter Sonderfahrzeuge bei Porsche, das Aggregat.

Damit trifft er akkurat den Eindruck, der sich am Lenkrad des RS 4.0 einstellt. Zwar beschleunigt der Sportwagen schon aus Drehzahlen um 1.500 U/min ansatzlos und linear heraus. Doch im oberen Drehzahlbereich stellt sich Begeisterung ein – auch dank eines faszinierenden Auspuffklangs, der die Supersportwagen-Qualitäten des Zweisitzers lautstark unterstreicht. Zu den überragenden Fahrleistungen – 100 km/h sind nach 3,9 Sekunden erreicht, nach vier weiteren Sekunden wird die 160-km/h-Marke passiert – trägt außerdem das deutlich verringerte Gewicht bei.

Nicht zuletzt dank Kohlefaser-Anbauteilen, Leichtbau-Schalensitzen und Dünnglas-Scheiben an hinteren Seiten- und Heckfenster bringt der RS 4.0 ganze 1.360 Kilogramm auf die Waage. Lediglich die Höchstgeschwindigkeit bleibt mit 310 km/h unverändert: Bei dieser Marke läuft der Sportwagen im sechsten Gang in den Drehzahlabregler. Dabei bleibt er extrem ruhig auf der Straße – dank der vor der Vorderachse angebrachten „Flics“, die für entsprechenden Anpressdruck sorgen.

Ein Sonderangebot ist der ausschließlich in schwarz und weiß lieferbare 911 GT3 RS 4.0 mit seinen 178.596 Euro nicht. Doch als Verkaufshindernis hat sich dieser Preis nicht erwiesen – im Gegenteil: Alle 600 Fahrzeuge – die Auslieferungen beginnen im Juni – sind bereits verkauft. Viele von ihnen werden anschließend auf den Rennstrecken der Welt in Aktion zu besichtigen sein: Stolze 85 Prozent aller GT3 RS-Käufer, so Porsche-Entwickler Preuninger, nutzen ihr Fahrzeug dementsprechend. Das dürfte unter den straßentauglichen Sportwagen einen Rekord darstellen.

Porsche 911 GT3 RS 4.0 – Technische Daten:

Zweitüriger, zweisitziger Sportwagen, Länge 4,46 m, Breite 1,85 m, Höhe 1,28 m, Radstand 2,36 m, 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer, im Heck montiert, 368 kW/500 PS bei 8.250 U/min, 460 Nm bei 5.750/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, Vmax 310km/h, 0-100 km/h in 3,9 s, 13,8 l/100 km, 328 g CO2/km, 178.596 Euro.

Porsche 911 GT3 RS 4.0 – Kurzcharakteristik:

Alternative zu: Audi R8 V10, Lamborghini Gallardo Superleggera, Ferrari 458 Italia.

Sieht gut aus: auf der Rennstrecke im kontrollierten Drift

Passt zu: dem Rennsport-Geist von Porsche, der stärker denn je ist

Jens Meiners/SP-X

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