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Published 12. Januar 2022

Die große Kunst des Selbstzitats (Fahrbericht)

Der Porsche 911 Speedster zelebriert einmal mehr die große Markengeschichte. Allerdings kommt der Fahrspaß dabei ebenfalls nicht zu kurz.

Ein Speedster von Porsche war schon immer etwas Besonderes und jetzt lassen die Zuffenhausener diesen Mythos wiederaufleben. Das geschieht etwas überpünktlich anlässlich des 2011 anstehenden, 25jährigen Jubiläums von Porsche Exclusive – jener Tochter, die sich um die Wünsche besonders anspruchsvoller und individualistisch gestimmter Kunden kümmert.

Den ersten Speedster gab es 1954 – als spartanische und besonders günstige Variante des 356. Exakt 3.000 Dollar wurden damals aufgerufen. Auch auf Basis früherer 911-Generationen wurden immer wieder kleine Speedster-Serien aufgelegt, unterscheidbar von ihren zivileren Brüdern vor allem durch die stark verkürzte Windschutzscheibe und den Verdeckkasten mit Höcker. Jetzt gibt es erneut einen Speedster – er pflegt den puristischen Ansatz abermals mit kürzerer Scheibe und einem manuell zu bedienenden Verdeck.

Ansonsten ist es mit dem Purismus aber nicht weit her: Zum stolzen Preis von 201.682 Euro bietet der 911 Speedster alles, was gut und teuer ist – und sonst extra kostet. Dazu zählt beispielsweise das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das Sport-Chrono-Paket mit prominent montierter Stoppuhr oder ein komplett mit Leder ausgeschlagenes Interieur – bis hin zu lederbezogenen Lamellen der Luftausströmer an der Armaturentafel.

Eine ganze Menge der Speedster-Extras sind allerdings sonst auch nicht für Geld und gute Worte zu bekommen. Dazu zählen beispielsweise in hochglänzendem Schwarz ausgeführte Anbauteile oder die spezielle Gestaltung der Sitzbezüge. Spezifisch ist natürlich auch das vom Zulieferer Magna CTS gebaute Verdeck, das sich in wenigen Schritten per Hand öffnen lässt. Das geht zwar nicht vom Fahrersitz aus, denn der Verdeckkasten lässt sich am besten von der Seite aus auf- und zuschwenken. Dennoch geht die Übung leicht und flink vonstatten, und irgendein symbolisches Opfer sollte der Fahrer eines „puristischen“ Fahrzeugs schließlich auch bringen. Bemerkenswert: Die Stoffmütze hält bis zur Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h dicht, der 911 Speedster bietet damit den vollen Komfort eines regulären 911 Cabrio.

Mit 300 kW/408 PS ist der Speedster sogar stärker als das Carrera S Cabrio; die Leistungssteigerung lässt sich beim Carrera S jedoch nachträglich bestellen. Wie alle Porsche-Sportwagen kann der 911 Speedster sehr sparsam bewegt werden, Verbrauchswerte von unter 10 Litern pro 100 Kilometer sind kein Hexenwerk. Das Ansprechverhalten des Motors ist exzellent, wer allerdings vom Mercedes SL 63 AMG, Audi R8 V10 oder Lamborghini Gallardo kommt, wird beim Speedster den ultimativen Punch vermissen. In dieser preislichen Liga wird anderswo noch mehr geboten.

Aber darauf kommt es beim Speedster, den es übrigens nur in purblau und in carraraweiß gibt, vielleicht auch gar nicht an. Das Auto ist vor allem eine Hommage an die eigene Historie, eine Art Selbstzitat – die Stückzahl von genau 356 Exemplaren unterstreicht dies. Wer sich einen kauft, will damit seine Porsche-Sammlung ergänzen und hofft vermutlich auf Wertsteigerung. Kein Wunder, dass die meisten Speedster bereits vergeben sind.

Porsche 911 Speedster – Technische Daten:
Zweisitziges Cabriolet, Länge: 4,44 Meter; Breite: 1,85 Meter; Höhe: 1,28 Meter; Radstand: 2,35 Meter; Kofferraumvolumen: 135 Liter, Tankinhalt 64 Liter.

3,8-Liter-Boxermotor mit Benzindirekteinspritzung, Doppelkupplungsgetriebe, 300 kW/408 PS, 0-100: 4,4 s, Höchstgeschwindigkeit: 305 km/h, maximales Drehmoment: 420 Nm bei 4.200 – 5.600 U/min, Verbrauch: 10,3 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 242 g/km, Abgasnorm: Euro 5, Preis: ab 201.682 Euro

Kurzcharakteristik:

Alternative zu: einem klassischen Speedster
Passt zu: einer kompletten Porsche-Sammlung
Sieht gut aus: in beiden angebotenen Farben

Jens Meiners/SP-X

Ein Kommentar

  1. […] Spiel so aber nicht weiter treiben, räumt Mössle ein. Selbst wenn neben Cabrio und Targa auch der Speedster zur Elfer-Geschichte zählt, werde es deshalb auf absehbare Zeit keine weitere Open-Air-Variante […]

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